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Online-Semester: Ein Gedicht

Es zwickt das Jogginghosen-Polyester
In den Wänden des eigenen Heim,
Kann es denn wirklich sein?
Es ist schon wieder ein Online-Semester.

Der Stream, der lädt,
Die Dozentin wieder zu spät.
Irgendjemand flucht herum,
Schwester, stell dein Mikro stumm.

Der Lüfter summt,
Bis der Laptop verstummt,
Ein gefrorenes Bild,
Der Live-Stream gekillt.

Der Raum geflutet mit peinlicher Stille,
Das digitale Zirpen einer Grille.
Gemeinsam einsam im Proseminar,
Wieder ein verlorenes halbes Jahr.

Der ewige Kampf mit der stockenden Leitung,
Die CDU lobt die Digitalisierung in der Zeitung,
Wem verdanken wir diese Kupferkabel-Paranoia?
Dem Minister für Verkehr, Andreas Scheuer.

Die PDFs fliegen einem um die Ohren,
Der Stream ist schon wieder eingefroren.
Selbststudium sagt man vor Ort,
Die Deadlines surren im Akkord.

Noch eine Pflichtlektüre,
Bis ich mich wieder spüre.
Es dampft die nächste Kaffekanne,
Arznei für die Aufmerksamkeitsspanne.

Die Vergessenen in der Pandemie,
Für die gibt es keine Regie,
Die Leitung, die gelegentlich knackt,
Bleibt der engste Kontakt.

Dabei tun sie alles in ihrer Macht,
Und arbeiten bis in die Nacht,
Die Heldinnen der Universität,
Manchmal zwar ein wenig zu spät,

Die schreiben und telefonieren,
Die planen und organisieren,
Um der Situation gerecht zu werden
Und zusammenzukleben,
Den Haufen Scherben.

Auch das geht einmal vorüber
Und dann quillt die Mensa wieder über,
Bis dahin halten wir Stellung dort,
In unserem Exil ohne Ort.

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