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„This Is How You Lose the Time War“ von Amal El-Mohtar & Max Gladstone

This Is How You Lose the Time War von Amal El-Mohtar und Max Gladstone, erschienen 2020 bei Simon & Schuster, handelt von zwei Agentinnen, Red und Blue, die innerhalb verschiedener Universen durch die Zeit reisen und im Auftrag ihrer beiden konkurrierenden „Imperien“ die Geschichte zum eigenen Vorteil verändern sollen. Die Handlung wird überwiegend in Form von Briefen erzählt, die die beiden an ihrem jeweiligen Auftragsort füreinander hinterlassen. Obwohl Red und Blue in feindlichen Lagern gegeneinander kämpfen, entwickelt sich durch den Briefaustausch eine romantische Beziehung zwischen ihnen. Eine deutsche Übersetzung gibt es für die Novelle gegenwärtig noch nicht. 

This Is How You Lose the Time War von Amal El-Mohtar & Max Gladstone
„This Is How You Lose the Time War“ von Amal El-Mohtar & Max Gladstone

Mir wurde gesagt, wenn man die Serie Killing Eve mag, dann gefällt einem auch dieses Buch. Nachdem ich erfahren habe, dass es sich um eine Science-Fiction Story mit queeren Hauptfiguren handelt, die durch die Zeit und alternative Universen reisen, war ich vollkommen begeistert. Beim Lesen ist meine Laune dennoch härter abgestürzt als die Umfragewerte der CDU nach Armin Laschets Nominierung zum Kanzlerkandidaten. Denn dieses Buch ist – puh – verwirrend.

Wo bin ich hier eigentlich?

Die Protagonistinnen bezeichnen sich zwar als she/her sind aber nicht wirklich Frauen oder überhaupt Menschen, sondern irgendetwas Anderes (Ähnliches?), was nicht näher definiert wird. Auch um eine Beschreibung der Handlung wird sich nur sehr begrenzt bemüht, was eventuell der Briefform geschuldet ist. Dennoch würde ich es begrüßen, wenn ich einen grundlegenden Plan davon hätte, was gerade passiert und wo ich mich befinde. Hinzu kommt, dass die Agentinnen ständig in historische Ereignisse eingreifen, zu denen man keinen wirklichen Bezugspunkt hat. Was ist das hier überhaupt für ein Universum und was ist die Geschichte?

Die Sache mit den Paralleluniversen hat mich generell eher verwirrt als unterhalten. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, sich nur auf ein Universum zu beschränken und dort in der Zeit zu springen. Dann hätte man die gesamte Historie dieses Universums auch besser nachverfolgen und verstehen können. Darum scheint es in dem Buch aber gar nicht zu gehen. Viel mehr scheint den Autor:innen daran gelegen, die Liebesgeschichte zwischen Blue und Red als die Geschichte zwischen zwei Soldatinnen zu inszenieren, die trotz verfeindeten Lagern zueinander finden und die Vorurteile ihrer eigenen Seite überwinden können.

Der Zeitkrieg

Das ist schön und lobenswert, aber an dieser Stelle stoße ich auf ein weiteres Problem: Wieso bekriegen die sich eigentlich? Der Krieg oder Zeitkrieg ist unverständlich. Was sind die Beweggründe? Wer genau kämpft da gegeneinander? Wie haben sich die beiden für ihre jeweilige Seite entschieden oder konnten sie sich überhaupt eigenständig entscheiden? Fragen über Fragen. 

When Red wins, she stands alone. Blood slicks her hair. She breathes out steam in the last night of this dying world. […] If the planet lasted long enough, the vines that sprout from the corpses’ mouths would grow berries. It won’t, and neither will they.

Sprachlich wird weit ausgeholt und alles genutzt, was das Poetik-Register hergibt. Das macht in gewisser Weise Sinn, denn wir lernen die beiden hauptsächlich durch ihre Briefe und somit auch durch ihre Sprache kennen. Würden die beiden so nüchtern schreiben wie Ferdinand von Schirach, würde sich wohl kaum jemand verlieben. Durch den poetischen Stil entstehen zwar einige schöne Sätze, die man markieren möchte, aber insgesamt verschleiert die sprachliche Gestaltung die Handlung zu sehr und nimmt zu viel Raum ein. Das erinnert mich ein bisschen an Robert Habecks ausschweifenden Osmose-Metapher-Marathon. Ist mir persönlich etwas zu viel des Guten gewesen. Schauen Sie lieber Killing Eve. 

Bewertung: 2 von 5

P.S. Aber wir können gerne mal darüber reden, dass die Cover englischer Bücher meistens viel schöner sind als die von deutschen.

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